Simon Riedel in seinem Element: Nur einen Tag Urlaub gönnt sich der Lehrling, bevor es in einen Betrieb im italienischen Carrara weitergeht.
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Simon Riedel in seinem Element: Nur einen Tag Urlaub gönnt sich der Lehrling, bevor es in einen Betrieb im italienischen Carrara weitergeht.

Im Mekka der Steinmetze

Simon Riedel, Lehrling bei "Steinwolf Naturstein Lösungen" in Hildesheim, hat sich für ein dreimonatiges Praktikum in der für den Marmor weltberühmten italienischen Stadt Carrara qualifiziert.

Seit 2003 haben deutschlandweit Lehrlinge im Steinmetz- und Bildhauerhandwerk die Möglichkeit, sich für das vom Leonardo da Vinci Programm und der Europäischen Union geförderte Praktikum in Carrara zu bewerben. Simon Riedel absolviert seine Ausbildung im dritten Lehrjahr und gehört zu den zwei Niedersachsen, die vom 31. August bis zum 30. November ihrem Handwerk unter der Sonne Italiens nachgehen dürfen.

Doch dafür musste Riedel im Steinmetz-Zentrum Königslutter erst einmal italienische Vokabeln pauken. "Das war in gewisser Weise der theoretische Teil der Prüfung. In der Praxis musste jeder Bewerber ein Stück anfertigen: Bei mir war das ein Profil bzw. eine Zierkante." Das Engagement des jungen Hildesheimers sollte sich am Ende auszahlen.

"Man kann schon sagen, dass Carrara so etwas wie das Steinmetz-Mekka ist: ein Pilgerort für traditionelle Techniken der Marmorverarbeitung", erzählt Riedel. So erwarten den Lehrling und seine Mitstreiter vor Ort auch Einblicke in die Abbautechnik des Marmors mit von Diamanten besetzten Seilsägen. "Carrara-Marmor hat Kultur und wird seit der Römischen Antike abgebaut. Er ziert bis heute Kirchen und andere Profanbauten", schwärmt der angehende Steinmetz. Und in der Tat, nicht nur die berühmte Trajanssäule in Rom, sondern auch Mi-chelangelos David sind aus Carrara, dem Inbegriff für weißen Marmor.
Die Ausbildung der Lehrlinge findet zu großen Teilen direkt in italienischen Steinmetz-Betrieben statt. Simon Riedel erhofft sich von seinem Auslands aufenthalt vor allem auch eine Erweiterung seiner bislang erworbenen Techniken. „Die Bearbeitung von Marmor ist schon etwas sehr Spezielles und ganz anders als die von Granit, Kalk- oder Sandstein. Marmor sei das ideale Gestein für den Steinmetz: "Hart aber trotzdem sehr gut zu verarbeiten", resümiert Riedel.

Für die teilnehmenden Betriebe, die ihre 13 Lehrlinge für die Zeit freistellen, liegt der Mehrwert auf der Hand. Angesichts der zunehmenden Globalisierung wird internationale Kompetenz auch im Handwerk immer wichtiger. Die Förderung dieser Fähigkeiten bei Schülern und Studenten anhand eines Auslands-aufenthaltes ist schon seit geraumer Zeit Alltag. Dieser selbstverständliche Umgang ist auch für viele Berufe im Handwerk nur wünschenswert.

Stefan Pietsch

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