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Flüchtlings-Projekt IHAFA nimmt Fahrt auf

Das Integrationsprojekt Handwerkliche Ausbildung für Flüchtlinge und Asylbewerber (IHAFA) ist ein gemeinsam finanziertes Projekt des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums, der Agenturen für Arbeit, Jobcenter und der Kommunen und wird von allen niedersächsischen Handwerkskammern durchgeführt. In diesen Tagen starten im Berufsbildungszentrum Hildesheim die ersten jungen Frauen und Männer, die sich zwei Monate lang in verschiedenen Handwerken ausprobieren.

So auch der 21-jährige Syrer Mohamad Mohamad, der vor der großen Flüchtlingswelle im Jahr 2012 in die EU einreiste. "Eigentlich bin ich zum Studieren nach Deutschland gekommen", erzählt er, zum Flüchtling wurde er durch die Entwicklungen in seiner Heimat dennoch. Geboren wurde Mohamad in Abu Dhabi, Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, als Kind syrischer Eltern, die dort keine Chance haben, eingebürgert zu werden. Das Problem sei, so erklärt er, dass die Emirate für Syrer immer nur befristete Visa ausstellen, man allerdings kaum eine Chance hätte, die Staatsangehörigkeit zu erwerben. "Bei meinem Vater machen sie das seit über 40 Jahren so." Mohamads Vater arbeitet dort als Kraftfahrzeugmechaniker. Die Gesetze des Landes sehen eine Einbürgerung tatsächlich nur vor, wenn auch der Vater Staatsangehöriger der VAE ist. Die syrische Stadt Aleppo, in der er seine familiären Wurzeln hat, gleicht einem Trümmerfeld. "Bei einer Einreise würde mich sofort das Militär einziehen", führt Mohamad aus.

Das Studium der Ingenieurswissenschaften in Bonn hat er aus finanziellen Gründen nicht weiterführen können. Die Wohnungssuche auf eigene Faust gestaltete sich in den letzten Monaten äußerst schwierig und so landete Mohamad nach zahlreichen Zwischenstationen in Unterkünften für Flüchtlinge in einer Wohngemeinschaft in Apelern, Landkreis Schaumburg.

Das ansässige Jobcenter vermittelte ihn in das Hildesheimer Kompetenzfeststellungsverfahren im Rahmen des Integrationsprojektes IHAFA. Hier werden über die Grenzen des Kammerbezirks Hildesheim-Südniedersachsen hinaus Teilnehmer aus den Landkreisen Nienburg, Verden, Peine, Diepholz, Hameln, Bad Pyrmont und Schaumburg betreut. Die Projektpartner sehen in IHAFA ein vorbildhaftes Modell, um Flüchtlinge in eine Ausbildung zu integrieren. "Die Kompetenzfeststellungsmaßnahmen zeichnen sich durch die Mischung von Theorie und Praxis aus und führen so ganz lebensnah an die duale Ausbildung heran. Viele Flüchtlinge kennen unser deutsches Ausbildungssystem nicht und können mit dem Projekt IHAFA von den Vorteilen überzeugt werden", sagt Horst Karrasch, Chef der Agentur für Arbeit Hildesheim, die zu den Kostenträgern zählt.

Seit 1. März befindet sich Mohamad neben elf weiteren Teilnehmern wöchentlich wechselnd in Lehrwerkstätten der Berufsbildungszentren, in deren angeschlossenen Internat er auch seinen Wohnsitz auf Zeit hat. In dieser Woche steht der Fachbereich Metall auf dem Lehrplan. "Wir vermitteln Grundlagen der manuellen Metallbearbeitung, das heißt das Feilen, Bohren und Sägen von Werkstücken sowie kleine Anreißübungen, in denen Zeichnungen auf Bauteile übertragen werden müssen", berichtet Fachbereichsleiter Mirko Marhauer. Am Ende des jeweils einwöchigen Exkurses steht eine Bewertung über die Fähigkeiten in den Handwerken an.

An der Arbeit mit den eigenen Händen findet Mohamad großes Gefallen. Neben dem Metallhandwerk, kann er sich auch Kraftfahrzeugmechatroniker, Elektroniker oder Maurer als Ausbildungsberuf vorstellen. Er weiß, dass er in der Ausbildung nicht viel verdienen wird aber die Aussicht einen Beruf zu erlernen, der Zukunft hat und der ihm als nachgefragte Fachkraft Bleiberecht-Perspektiven bieten könnte, stimmt ihn optimistisch.

Die Teilnehmerinnen Fida Abdi-Ali (21) aus Somalia und Avaz Alo (19) aus Syrien haben in der Woche zuvor großes Engagement im Friseurhandwerk gezeigt. "Neben dem Umgang mit Schere und Kamm haben wir auch Übungen im Bereich Haarpflege umgesetzt sowie mit Lockenstab und Glätteisen gearbeitet", fasst Fachbereichsleiterin Elke Scherer die Kursinhalte zusammen. In den kommenden Wochen werden die Jugendlichen in weitere Bereiche hineinschauen: Maler- und Lackiererhandwerk, Bäckereifachverkauf, Elektrikerhandwerk, KFZ-Handwerk und CNC-Technik.

Neben Betrieben, die den Teilnehmern im Anschluss die Chance auf ein Praktikum geben, ist die Handwerkskammer an Unterstützern aus der handwerklichen Praxis interessiert. Das könnten pensionierte Meister oder Gesellen sein, im Grunde Mentoren, die ihr fundiertes Wissen an diese jungen Menschen vermitteln und damit in die Zukunft ihres Handwerkes investieren.

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Ralf Holze

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Stefan Pietsch

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