Farhad Azizi (li.) auf der Überholspur: Nach Geselle kommt Meister und Chef. Von Betriebsleiter Dirk Neumann erhält er dafür vollste Unterstützung.
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Farhad Azizi (li.) auf der Überholspur: Nach Geselle kommt Meister und Chef. Von Betriebsleiter Dirk Neumann erhält er dafür vollste Unterstützung.

Vom Geflüchteten zum Geschäftspartner

Solche Erfolgsgeschichten schreibt nur das Handwerk. Farhad Azizi (20) kam 2015 nach Deutschland. Nach abgeschlossener Berufsausbildung zum Fliesen-, Platten- und Mosaikleger bei Dirk Neumann aus Hildesheim besucht er bald die Meisterschule.

Ausbilder und Betriebsinhaber Dirk Neumann (49) ist sichtlich stolz auf seinen frischgebackenen Gesellen, der die Abschlussprüfung mit der Note 2 bestanden hat. „Angefangen hat alles mit einem vierwöchigen Praktikum“, erinnert sich Neumann. Die sehr engagierte Gastfamilie des 2015 aus dem Iran nach Deutschland eingereisten Farhad Azizi habe sich zusammen mit ihm um die Vermittlung gekümmert. Was die Arbeit mit Wand- und Bodenfliesen betrifft, war Azizi schon damals kein unbeschriebenes Blatt. Gemeinsam mit seinem Onkel, der im Iran Fliesenleger ist, testete er bereits als Kind seine Fertigkeiten aus. Die Faszination für die Mischung aus Genauigkeit, Kreativität und räumlicher Vorstellungskraft im Umgang mit Fliesen habe ihn seither nicht mehr losgelassen. „Schon gleich im Praktikum hat er als erstes kleines Projekt einen Fliesenspiegel für die Badausstellung des Betriebs verlegt. Die Arbeit hat sofort überzeugt“, sagt Neumann. Bis heute hängt das Fliesen-Debut von Azizi in der Ausstellung von Neumann und kann von den Kunden bestaunt werden.

Die Chemie zwischen Chef, Mitarbeitern und Praktikant stimmte von Anfang an, so dass einer 2017 begonnenen dreijährigen Ausbildung zum Fliesen-, Platten- und Mosaikleger nichts im Wege stand. Dirk Neumann, von Haus aus Installateur- und Heizungsbauermeister und Betriebswirt des Handwerks, bediente zwar schon zuvor das Angebot „Fliesen“, bildete bis aber nur Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik aus. Die Ausbildung von Farhad Azizi zum Fliesen-, Platten- und Mosaikleger war demnach Neuland und wurde von einem angestellten Gesellen mit Ausbildereignung übernommen. „Deutschunterricht hatte ich nur in der Schule, die Fachbegriffe aus dem Handwerk habe ich bei der Arbeit gelernt“, sagt Azizi, der mit seiner kommunikativen und freundlichen Art schnell zu einem Liebling unter Neumanns Kunden wurde.

Wenn es nach Azizi und Neumann geht, soll die nun erfolgreich abgeschlossene Ausbildung aber nur die erste Sprosse auf der Karriereleiter sein. „Wenn ich mir eine Sache vorgenommen habe, mache ich sie ganz oder gar nicht“, sagt Azizi selbstbewusst. Bei dem HWK-Mitarbeiter Ralf Holze, der für das Projekt IHAFA (Integrationsprojekt Handwerkliche Ausbildung für Flüchtlinge und Asylbewerber) arbeitet, hat er sich in den vergangenen Tagen über die Möglichkeiten der Meisterfortbildung erkundigt. Schon in wenigen Wochen soll es mit den gewerkeübergreifenden Teilen III und IV im BBZ Hildesheim losgehen.

Für das Fliesenlegerhandwerk wurde die bundesweite Rückführung der Meisterpflicht beschlossen. Betriebe, die vor 2020 gegründet wurden, haben jedoch Bestandsschutz. So auch der Betrieb von Dirk Neumann. „Ich möchte mich aber langfristig noch breiter im Fliesen-Segment aufstellen. Nach der Meisterschule soll Farhad Azizi als Partner an meiner Seite den Bereich Fliesen übernehmen“, sagt er.

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Ralf Holze

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Malte Diercks

Projektkoordinator IHAFA

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