So gelingt Ausbildung: mit Empathie, Durchhaltevermögen, Ehrgeiz und Ver-ständnis. V.l.n.r.: PerjuF-H-Mitarbeiter Uwer Kraft und Cidem Baris, Flori Adili und Mohammed Harun (Firma Holldorb) und Günter Kaune (QuAsS gGmbh).
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So gelingt Ausbildung: mit Empathie, Durchhaltevermögen, Ehrgeiz und Ver-ständnis. V.l.n.r.: PerjuF-H-Mitarbeiter Uwer Kraft und Cidem Baris, Flori Adili und Mohammed Harun (Firma Holldorb) und Günter Kaune (QuAsS gGmbh).

Praktikanten, die begeistern

Betriebe berichten: jungen Menschen fehle oftmals die Ausbildungsreife. Motivierte Nachwuchs-Fahrzeuglackierer wie Mohammed Harun (24), der über das Flüchtlingsprojekt PerjuF-H ins Handwerk kam, sind ein Segen für jeden Chef.

Oft sagt man, stimme einfach die Chemie zwischen Ausbilder und dem angehenden Auszubildenden. Aber dies ist sicherlich nur die halbe Wahrheit, denn in der Regel müssen sich alle Akteure in den Disziplinen Empathie, Durchhaltevermögen, Ehrgeiz und Verständnis üben. Dies trifft insbesondere dann zu, wenn Sprache, Bildung und Kultur Ausbilder und Azubi voneinander trennen. In diesen Fällen ist es gut, wenn ein Projekt, das sich die Integration junger Geflüchteter zur Aufgabe gemacht hat, unterstützt und vorbereitet. Das von Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Agentur für Arbeit und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks initiierte Projekt „PerjuF-H (Perspektive für junge Flüchtlinge im Handwerk)“ nimmt seit November 2016 im Berufsbildungszentrum Hildesheim genau diese Aufgabe wahr und begleitet Geflüchtete auf ihrem Weg in den ersten Arbeitsmarkt. Für das Berufsbildungszentrum verantwortet die QuAsS gGmbh als hundertprozentige der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen das Projekt. 

Mohammed Harun aus dem Sudan kam 2015 nach Deutschland und absolvierte bis Anfangt April dieses Jahres sechs Monate lang erfolgreich die Maßnahme innerhalb des Projekts „PerjuF-H“. Dies waren intensive mehrwöchige Einblicke in verschiedene Ausbildungsberufe im Handwerk. Teil des Projekts war zudem ein sechswöchiges Praktikum in einem Handwerksbetrieb, das Harun bei der Firma Holldorb Karosserie & Lack GmbH & Co. bestritt. „Wir waren von Anfang an begeistert. Er ist ohne Frage der beste Praktikant, den wir seit Jahren hier im Unternehmen haben“, schwärmt Ausbilder und Fahrzeuglackierer-Meister Flori Adili. Für ihn sei sofort klar gewesen, dass Harun noch in diesem Jahr eine Ausbildung zum Fahrzeuglackierer bei Holldorb beginnen müsse. Der künftige Auszubildende ist indes hochmotiviert und freut sich sehr, dass er ab dem 1. August 2018 seinen Traumberuf von der Pike auf erlernen kann. Um die Zeit bis zur Ausbildung zu überbrücken, wird er als Helfer im Betrieb eingesetzt. „Wenn ich mit der Ausbildung anfange, bekomme ich zusätzlichen Unterricht in Mathematik. Deutsch lerne ich in einem Kurs beim Jobcenter“, berichtet Harun. 

Seit dem Projektstart von PerjuF-H wurden rund 50 Prozent der Geflüchteten erfolgreich in eine Ausbildung oder in sogenannte Einstiegsqualifizierungen als Vorbereitung auf die Lehrstelle vermittelt. „Wir können von der ersten Stunde an viele Erfolgsgeschichten verbuchen. Die Maßnahme ist für die Teilnehmer nicht nur hinsichtlich der Berufsorientierung ein Mehrwert. Hinzu kommen Verbesserung der sprachlichen Qualifikation und gesellschaftliche Integration“, weiß Günter Kaune, Geschäftsführer der QuAsS gGmbh. Dass das Projekt zum 31.12.2018 auslaufen soll und aktuell keine weiteren Teilnehmer in das BBZ geschickt werden, ist für Kaune ein falsches Signal: „Wir sehen bei den Geflüchteten den Bedarf über betreute Maßnahmen an das Berufsleben herangeführt zu werden. Bei den Betrieben heißt der Bedarf „Fachkräfte“ und die können wir in solchen Maßnahmen nur liefern, wenn wir mehr Zeit bekommen.“ 

Kaune

Günter Kaune

Geschäftsführer QuAsS gGmbH

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Fax 05121 33836
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