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Perspektive für junge Flüchtlinge und für das Handwerk

Berufsbildungszentren Hildesheim-Göttingen am Standort Hildesheim sind Schulungsort für 30 Flüchtlinge im Rahmen der Aktivierungsmaßnahme PerjuF-H (Perspektive für junge Flüchtlinge im Handwerk).

10.000 jungen Flüchtlingen soll bundesweit bis zum 31.12.2018 eine Ausbildung im Handwerk ermöglicht werden. Auf diese Weise will die Kooperation zwischen dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Agentur für Arbeit und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks jungen Flüchtlingen den Einstieg in das Berufs- und Arbeitsleben ermöglichen und gleichzeitig dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Am 31.10. starteten die ersten neun Teilnehmer im BBZ der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen in ihre Einführungswoche. In der insgesamt sechsmonatigen Aktivierungsmaßnahme, die von der Agentur für Arbeit Hildesheim finanziert wird, werden die Teilnehmer an das deutsche Ausbildungs- und Beschäftigungssystem herangeführt und schauen in fünf verschiedene Handwerksberufe. Eine Frau und acht Männer im Alter von 20 bis 26 Jahren, aus den Ländern Syrien, Afghanistan, Sudan und Eritrea, sind voller Hoffnung, dass sie im Anschluss an die Maßnahme eine betriebliche Ausbildung absolvieren können.

Das Herz von Zain-Alabitin Abdallah (24) aus dem Sudan schlägt für das Kfz-Handwerk. Laut eigener Aussage habe er eigeninitiativ immer wieder versucht, die nötigen Deutschkurse zu belegen. Aufgrund zu hoher Teilnehmerzahlen konnte ihm jedoch kein Platz angeboten werden. Alle am Projekt teilnehmenden Flüchtlinge haben in der Regel bereits einen Integrationskurs absolviert und verfügen über Sprachkenntnisse, die es zulassen, den Inhalten der Maßnahme zu folgen.

"An drei Tagen in der Woche gewinnen sie nun nach und nach einen Eindruck von den verschiedenen Ausbildungsberufen im Handwerk", berichtet Isabella Wolter, Fachbereichsleiterin Unternehmensführung. "Auch die zweite Gruppe, die einen Monat später, am 1. Dezember, in den Werkstätten in Bavenstedt startet, wird für je drei Wochen die Bereiche Tischlerhandwerk, Installateur- und Heizungsbauerhandwerk, Metallhandwerk, Friseurhandwerk, Kfz-Handwerk und Fachverkauf im Lebensmittelhandwerk kennenlernen."

Jeden Freitag findet fachbezogener Deutschunterricht statt, der den Teilnehmern, die bereits über solide Kenntnisse unserer Sprache verfügen, zusätzlich die nötigen Vokabeln aus dem Berufsalltag und der Welt des Handwerks vermittelt. Ein weiterer Tag dient der Reflexion des bereits gelernten Stoffs. In Theorieeinheiten lernen die Teilnehmer das deutsche Bildungssystem besser kennen und erhalten ein Bewerbungstraining. Die sozialpädagogische Betreuung liegt bei Cidem Baris, Erziehungswissenschaftlerin bei der QuAsS gGmbH, einer hundertprozentigen Tochter der Handwerkskammer, die auf Bildungsmaßnahmen zur Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt spezialisiert ist.

Teilnehmerin Naderi Farah Angez (26) aus Afghanistan ist froh, dass sie nun endlich die Chance auf einen Start ins Berufsleben erhält. "Ich habe jetzt schon eine Vorliebe für das Friseurhandwerk, bin aber auch auf die Erfahrungen in allen anderen Handwerksbereichen gespannt", erklärt sie. Die Chance, Kenntnisse in einem Handwerk der Wahl zu vertiefen, ist allen Flüchtlingen mit der anschließenden Maßnahme BOF (Berufsorientierung für Flüchtlinge) gegeben. Die dabei erworbenen fachlichen Bausteine können sogar für eine darauf aufbauende Ausbildung angerechnet werden. Und dass die Berufsausbildung das erklärte Ziel der Kooperationspartner ist, wird in der gemeinsamen Vereinbarung deutlich: Demnach sollen 70 % aller geeigneten und gewillten Absolventen von PerjuF-H direkt in ein Ausbildungsverhältnis überführt werden.  

Radiobeitrag vom Radio Tonkuhle 2016, Redaktion: Björn Stöckemann

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