Nahbar und individuell: Ulrich Schonlau setzt auf den persönlichen Kontakt zu den Betrieben in der Region Northeim-Einbeck.
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Nahbar und individuell: Ulrich Schonlau setzt auf den persönlichen Kontakt zu den Betrieben in der Region Northeim-Einbeck.

100 Tage im Amt...

Quereinsteiger mit Traditionsbewusstsein: Maurermeister Ulrich Schonlau, Kreishandwerkerschaft Northeim-Einbeck über realitätsgerechte Bürokratie, Stärkung der Berufsschulstandorte und gemeinsame Verantwortung für das Ansehen des Handwerks.

Am 19. Februar hat der neu gewählte Kreishandwerksmeister Ulrich Schonlau, seine ersten 100 Tage absolviert. Der 50-Jährige ist kein unbeschriebenes Blatt. Als Vorsitzender des Berufsbildungsausschusses im Baugewerbeverband Niedersachsen hat er langjährige Erfahrungen in der Vertretung handwerklicher Interessen auf Landes- und Bundesebene. In der Kreishandwerkerschaft ist er dennoch „Quereinsteiger“ und das hat Geschäftsführer Hans-Joachim Nüsse zu Folge große Vorteile: „Ulrich Schonlau sorgt mit einem frischen Blick für neuen Wind in unserer Organisation, die natürlich auch nicht frei von Optimierungspotential ist. Er hinterfragt radikal, bricht eingefahrene Strukturen auf und zeigt neue Wege. Diese Dynamik begrüße ich sehr.“ Ein erstes Resümee zieht auch Ulrich Schonlau im Interview:



1. Wie haben Sie die ersten Tage im Amt des Kreishandwerksmeisters erlebt? Was hat sich für Sie persönlich verändert?
Die ständige mediale Präsenz ist noch etwas ungewohnt für mich. Da hat man vor einem öffentlichen Termin wie dem Gildentag schon einmal Lampenfieber. Für mich ist es ein gutes Zeichen dafür, dass mir meine Aufgabe wirklich am Herzen liegt. Für das Ehrenamt muss man brennen und das tue ich. Ich habe mich entschieden, auch als Kreishandwerksmeister bei vielen Anlässen in der traditionellen Maurerkluft zu erscheinen. Sie steht für eine lange Tradition, mit der viele Handwerker tief verwurzelt sind und drückt die enge Verbindung mit der eigenen Berufung aus. Da gerade der Einstieg in ein solches Amt sehr zeitintensiv und mit vielen neuen Eindrücken verbunden ist, sieht mich meine Familie zurzeit also fast ausschließlich in meiner Kluft. Das kommt dort, wie in der Öffentlichkeit, gut an.



2. Welche Schwerpunkte haben Sie sich für Ihre Arbeit als Kreishandwerksmeister gesetzt. Was ist für die Betriebe in Northeim-Einbeck besonders wichtig?
Realitätsgerechte Bürokratie: Die immer weiter zunehmende Regulierung durch Verordnungen und Gesetze ist ein Problem für viele Betriebe. Wir beobachten zunehmend, dass bei der Erstellung neuer Vorschriften oftmals gar kein Abgleich mit vorhandenen Realitäten erfolgt. Auf diese Missstände müssen wir die Politik stoßen, damit die Bürokratie die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Handwerksbetriebe nicht ausbremst.

Berufsschulstandorte erhalten: Gibt es weniger Azubis in einem Gewerk, schrumpfen logischerweise die Berufsschulklassen. Niedersachsen hat im Ländervergleich hier eine Sonderposition, die geringere Klassengrößen zulässt als viele andere Bundesländer. Diese Besonderheit gilt es dringend zu erhalten. Wir wollen keine langen und kostenintensiven Anfahrtswege für die Auszubildenden. Das bedeutet eine enorme Belastung für die Auszubildenden und mindert die Attraktivität einer Ausbildung.



3. Stichwort Innungswesen: Was werden Sie unternehmen, um neuen und/oder jungen Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhabern die Innung schmackhaft zu machen?
Bei der Gewinnung neuer Mitglieder kommt es zunächst auf die Vermittlung individueller Vorteile an. Es gilt, die berufsspezifischen Vorteile einer jeden Innung zu präsentieren. Das Ergebnis ist eine starke Gemeinschaft, die jedem Mitglied als erste Anlaufstelle in sämtlichen Berufsfragen beratend zur Seite steht. Aggressive Bewerbung halte ich für weniger überzeugend als die persönliche Ansprache.



4. Das Thema Nachwuchs ist in aller Munde. Was werden Sie dazu beitragen, dass mehr junge Menschen eine handwerkliche Ausbildung beginnen?
Fachkräftebedarf decken: Die bundesweite Imagekampagne für das Handwerk ist stark auf die junge Generation ausgelegt. Ich halte das für die richtige Ausrichtung und stehe zu 100% dahinter. Ich setze mich dafür ein, die Kampagne auf die regionale Ebene direkt an die Betriebe heranzutragen. Mit der Präsentation der Aktion „Nebenan ist hier“ haben wir in diesem Jahr den Auftakt gemacht, bei der Innungsmitglieder die Chance hatten exklusiv auf ihren Betrieb zugeschnittene Werbeplakate im Stil der bundesweiten Kampagne zu gewinnen. Den Fachkräftebedarf zu decken ist eine gleichermaßen spannende wie herausfordernde Aufgabe, die wir nur gemeinsam lösen können und die jeder Handwerksbetrieb da draußen mittragen muss. Mit der offensiven Ansprache des Nachwuchses ist es jedoch nicht getan. Das Imageproblem der beruflichen Bildung im Vergleich zur akademischen ist in erster Linie ein gesellschaftliches, das politisch geschaffen wurde und auch auf diesem Weg, durch intensiven Einsatz, gelöst werden muss.

Professionalität nach außen tragen: Will man das Ansehen des Handwerks stärken, dann muss man im Alltäglichen damit beginnen. Im Kundenkontakt wie im allgemeinen Auftreten in der Öffentlichkeit steht jeder Handwerker für DAS Handwerk. Da kommt es auf ein professionelles, gepflegtes Auftreten an. Gute Umgangsformen und seriöse Berufskleidung wie auch Fahrzeuge sind hier wichtiger als der ein oder andere glauben mag. Sie repräsentieren den Betrieb, das jeweilige Handwerk und letztlich wirken sie sich auf die öffentliche Wahrnehmung des gesamten Handwerks aus. Jeder Einzelne und vor allem Arbeitgeber sind hier gefragt.