Konjunkturbericht

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Konjunkturbericht 4. Quartal 2012    

Handwerk im Sog der Wachstumsschwäche

Die wirtschaftliche Schwäche der deutschen Volkswirtschaft geht auch am Handwerk nicht spurlos vorüber. Auf Bundesebene sank der Umsatz um rund 2%, bei gleicher Beschäftigung. Verantwortlich dafür waren der schwache Automarkt und der Preisrückgang von Solarmodulen. Die Einschätzung der Geschäftslage war davon jedoch kaum betroffen. Die nach wie vor gute Auftragslage und Auslastung führten schlussendlich zu einer freundlichen Beurteilung der Geschäftslage durch die Betriebe.

Die Umfrageergebnisse zeigen aber, dass Lagebeurteilung und Erwartungen deutlich voneinander abweichen. Die Erwartungen signalisieren eine wesentlich stärkere konjunkturelle Abkühlung. Die tendenziell pessimistischen Erwartungen zeigen, dass sich die unsicheren makroökonomischen Rahmenbedingungen, beachte man die Staatsschuldenkrise, auch im Handwerk niederschlagen. Dies wird insbesondere im Investitionsverhalten deutlich: Die Investitionsausgaben folgen nur noch verhalten der Umsatzentwicklung. Das hat zur Folge, dass die Betriebe ihr Wachstumspotenzial nicht voll ausschöpfen. Das Südniedersächsische Handwerk glaubt noch nicht an die Überwindung der Finanzkrise.

Aktuell und im Jahresdurchschnitt verzeichneten die Betriebe eine überdurchschnittliche Geschäftslage, trotz zurückgehender Umsätze. Dies zeigt, dass die Betriebe betriebswirtschaftlich stabil aufgestellt sind und Umsatzrückgänge, soweit diese moderat ausfallen, gut kompensieren können. Zum Jahresende meldete keine Branche mehr einen Beschäftigungsanstieg. Dies hängt in erster Linie mit einem deutlichen Rückgang der Auslastung der personellen Kapazität zum Jahresende zusammen. Mit einer Auslastung von 82% wurde lediglich der langfristige Mittelwert erreicht. Es ist daher mit einer stabilen Beschäftigung zu rechnen, auch wenn die Marktdynamik sich besser entwickeln sollte, als die Wirtschaftsforschungsinstitute vorhersagen. Der Zentralverband des deutschen Handwerks geht auch auf Bundesebene von einer stabilen Beschäftigung aus. Die insgesamt derzeit ruhige Konjunktur lässt sich auch an der Einkaufspreisentwicklung ablesen. Seit drei Quartalen melden die Betriebe keinen beschleunigten Preisanstieg. Insgesamt verläuft die derzeitige konjunkturelle Abschwungphase moderat und wird vermutlich in der zweiten Jahreshälfte den unteren Wendepunkt erreichen.

Bezogen auf die Größenklasse der Betriebe blieb die Konjunktur weitgehend stabil gestaffelt. Je größer der Betrieb umso besser die Konjunktur. Bemerkenswert ist, dass die Betriebe in den Größenklassen von 5 bis 50 Beschäftigten im Jahresdurchschnitt identische Werte bei der Geschäftslage sowie der Produktions- und der Beschäftigungsentwicklung aufweisen. Dies deutet darauf hin, dass im Kleinbetriebssektor die derzeitige Konjunktur relativ homogen verläuft – die Nachfragestruktur passt zur Angebotsstruktur.

Das Bauhauptgewerbe konnte seine gute Konjunktur des Jahres 2011 nicht halten und kühlte sich im Jahresverlauf 2012 kontinuierlich ab. Die Bautätigkeit wird, gemäß den vorliegenden Prognosen, im Jahr 2013 wieder stärker belebt.

Konjunkturlokomotive des Handwerks bleibt nach wie vor das Ausbaugewerbe des Handwerks. Auf hohem Niveau beruhigt sich die Konjunktur. Als einzige Branche wies das Ausbaugewerbe einen Umsatzanstieg auf. Die Erwartungen sind aber der Saison entsprechend üblich.

Die Konjunktur im Investitionsgüterhandwerk bleibt freundlich und das bei leicht rückläufiger Produktion. Dies führte bedauerlicherweise zu einer Rücknahme der Investitionspläne. Die Erwartungen sind positiv, das Handwerk rechnet mit einer Konjunkturbelebung. Die drei Branchen, Bau, Ausbau und  die Investitionsgüter, haben einen Umsatzanteil von 65% und einen Beschäftigtenanteil von 62%.

Auf der Schattenseite der Konjunktur steht zurzeit das Kfz-Handwerk. Wichtige Indikatoren weisen weit unterdurchschnittliche Werte auf. Die Betriebe rechnen mit einer Fortsetzung des schwachen Kfz-Marktes.

Auf der Sonnenseite stehen hingegen die Konsumgüter- und Dienstleistungshandwerke. Das Geschäftsklima bleibt im Bereich des Allzeithochs. Die anziehende Binnenkonjunktur und die gestiegenen Einkommen der Konsumenten tragen wesentlich dazu bei. Die Erwartungen gehen jedoch von einer Abkühlung der Konjunktur aus.

Die Nahrungsmittelhandwerke wiesen zum Jahresende eine weit unterdurchschnittliche saisonale Belebung auf. Insbesondere die starken Preissteigerungen auf der Beschaffungsseite und die notwendigen Preisanpassungen auf den Absatzmärkten dämpften die wirtschaftliche Entwicklung. Die Erwartungen sind verhalten optimistisch.

Die Gesundheitshandwerke verzeichnen derzeit eine stärker werdende Marktdynamik. Jedoch konnte der starke Umsatzeinbruch zum Jahresbeginn 2012 im Jahresverlauf nicht kompensiert werden. Das Geschäftsklima ist derzeit durchschnittlich. Die Erwartungen sind jedoch positiv. Hier rechnen das Handwerk mit einer Belebung der Konjunktur.

Regional bleibt die Handwerkswirtschaft im Landkreis Hildesheim im Bereich des Durchschnitts. Die Göttinger Betriebe können ihren Vorsprung gegenüber den anderen Regionen nicht mehr halten, bleiben aber in der Spitzengruppe. Deutlich gewinnen konnte das Northeimer Handwerk. Das Holzmindener Handwerk wies aktuell eine leicht unterdurchschnittliche Entwicklung auf, hielt aber Anschluss an den Durchschnitt. Das Osteroder Handwerk konnte seinen Abstand konstant halten.

Wie geht es in Zukunft weiter?

Aktuellen Berechnungen zur Folge lag der Umsatz im Kammerbezirk im Jahr 2012 bei rund 3,9 Mrd. €, derzeit stehen 43.400 Betriebsinhaber und deren Beschäftigte in Lohn und Brot. Für das Jahr 2013 ist von einem leichten Umsatzrückgang von 0,5% auszugehen. Die Beschäftigtenzahlen werden weitestgehend stabil bleiben.

Der Anteil des Handwerks am Bruttoinlandsprodukt  (BIP) des Kammerbezirks liegt bei 7,5%. Das Bruttoinlandsprodukt  lag 2009 bei 19,7 Mrd. Euro; neuere Daten liegen derzeit nicht vor. Im 10-Jahres-Zeitraum 2000 – 2009 sank der Bruttoinlandsprodukt -Anteil des Kammerbezirks am Bruttoinlandsprodukt des Landes Niedersachsen nur um 0,4%-Punkte auf einen Anteil von 9,57%. Dies ist vor dem Hintergrund der vielzitierten Strukturschwäche des Südniedersächsischen Raumes ein vertretbarer Rückgang.

Auch die langfristige Erholung der Handwerkswirtschaft im Kammerbezirk fällt in den Zeitraum 2000-2009. Nach dem Tiefstand der Konjunktur Ende 2002 setzte das Handwerk zu einem, nach wie vor andauernden, Erholungsprozess an. Bis 2002 verschlechterte sich die Konjunktur auf Grund der Globalisierungsprozesse kontinuierlich. Verantwortlich dafür sind beispielsweise Produktionsverlagerungen und eine stärkere Importkonkurrenz. Das Handwerk hat diesen Strukturwandel gut gemeistert und festigte seine Position in der Volkswirtschaft.

Das Handwerk fordert  stabile Rahmenbedingungen, insbesondere bei der energetischen Sanierung. So trägt beispielsweise auch der Megatrend der CO2-Reduktion zur guten Konjunktur im Ausbaugewerbe bei.  

Die Aufrechterhaltung der Infrastruktur in ländlichen Räumen ist für das Handwerk unabdingbar. Dazu gehört ein flächendeckendes Angebot an Bildungsangeboten, ein der Nachfrage angepasster öffentlicher Personennahverkehr und die Aufrechterhaltung öffentlicher Versorgungsdienstleistungen, zum Beispiel durch Behörden und Krankenhäuser. In ländlichen Teilregionen gehört das Handwerk mittlerweile zu den wichtigsten  Arbeitgebern und ist darauf angewiesen, dass die Lebensbedingungen eine weitere Abwanderung verhindern.

Archiv Konjunkturberichte

Seite aktualisiert am 04. April 2013online seit 14. August 2006

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