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Konjunktur: Eingetrübtes Geschäftsklima, aber keine Talfahrt

Konjunkturanalyse für das 1. Quartal 2009 
Das Handwerk erweist sich als Stabilisator in der wirtschaftlichen Rezession. Dies hielt der Präsident der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen, Jürgen Herbst, als wichtiges Ergebnis der Konjunkturanalyse für das 1. Quartal 2009 fest. Das Geschäftsklima kühlte sich zwar deutlich ab. Der Rückgang bewegte sich aber für eine rezessive Entwicklung im saisonüblichen Rahmen. Der Geschäftsklimaindex sank auf 39 Punkte. Im Vorquartal waren es 49 und im Vorjahr 48 Index-Punkte. (Auf der 100-Punkte-Skala signalisieren 50 Punkte eine im Schnitt zufriedenstellende Geschäftslage.)
Negativ betroffen war vor allem das Investitionsgüterhandwerk. Aber auch die anderen Branchen zeigten sich wenig dynamisch. „Eine Ausnahme bildete nur das Ausbaugewerbe, das nach wie vor von der energetischen Sanierung profitiert", sagte Herbst. Von den befragten Betrieben hätten nur noch 16 % (Vorquartal: 23 %) eine gute Geschäftslage verzeichnet, 38 (26) % schätzten ihre Geschäftslage als schlecht ein. Letztmalig wurde im 1. Quartal 2006 ein ähnlich ungünstiges Ergebnis erreicht.

Produktion und Umsatz sinken
Produktion und Umsätze sanken im starken Maße: 54 (32) % der befragten Betriebe verzeichneten Rückgänge. Der entsprechende Indexwert sank in die Nähe der historischen Tiefwerte. Die Beschäftigung nahm im Zuge dieser Entwicklung ab. Der Rückgang bewegte sich aber im saisonalen Rahmen. Herbst: „Dies ist ein Indiz dafür, dass die Fachkräfte im Handwerk noch gehalten werden. Allerdings sank die Auslastung des Personals auf nur noch 75 Prozent." Dieser Wert wurde seit dem Start der Konjunkturanalysen Anfang der 90er Jahre bisher lediglich zweimal unterschritten.
Die schwache Nachfrage ließ den Preisdruck steigen. Jedoch profitierten die Betriebe vom merklich schwächeren Preistempo auf den Beschaffungsmärkten. Die Investitionstätigkeit ließ deutlich nach. Dies wirkte sich noch nicht auf die Struktur der Investitionen aus. Der Anteil der Erweiterungsinvestitionen lag mit 15 % im Durchschnitt der zurückliegenden zwei Jahre.

Entwicklung in den Branchen:

Das Bauhauptgewerbe zeigte kaum Dynamik. Die saisonale Abkühlung wurde durch den starken Rückgang des Gewerbebaus und die schwache Konjunktur im privaten Wohnungsbau überlagert. Die Konjunkturprogramme des Bundes zeigten auf Grund von längeren Vorlauffristen noch keine Wirkung. Nur 10 Prozent der Betriebe erwarten eine Verbesserung ihrer Geschäftslage.
Das Ausbaugewerbe zeigte sich unbeeindruckt von der aktuellen wirtschaftlichen Situation. Zwar waren auch hier wichtige Indikatoren rückläufig. Diese Entwicklungen lagen aber noch im günstigen Bereich oder bewegten sich im Rahmen saisonüblicher Schwankungen. Die Konjunktur wird 2009 in ruhigen Bahnen verlaufen.
Die weltwirtschaftliche Rezession hat sich im Investitionsgüterhandwerk voll ausgewirkt. Die Branche geriet auf steile Talfahrt. Alle Indikatoren wiesen teilweise dramatische Rückgänge auf. Die Betriebe dieser Branche sind über Wertschöpfungsketten sehr stark mit der (exportabhängigen) Industrie verbunden. Die bisherige starke Investitionsbereitschaft kam nahezu zum Erliegen. Über die weitere Entwicklung gibt es ein hohes Maß an Unsicherheit.
Das Kfz-Handwerk konnte aus der Abwrackprämie keinen nachhaltigen Nutzen ziehen. Das Geschäftsklima blieb unterkühlt, nach wie vor überwogen Betriebe mit Umsatzrückgängen. Positiv hervorzuheben ist die relativ stabile Beschäftigung, die aber mit einer niedrigen Auslastung erkauft wird. In den Erwartungen für die weitere Entwicklung spiegelt sich wenig Optimismus.
Die Konsumgüterhersteller und persönlichen Dienstleister profitierten nicht von der robusten Konsumstimmung im Inland. Die Betriebe dieser Branche verharrten bei einem Geschäftsklimaindex von 37 Punkten auf niedrigem Niveau. Anzeichen einer grundlegenden Belebung sind nicht auszumachen. Insofern erwarten die Betriebe auch keine besseren Geschäfte.
Die Konjunktur im Nahrungsmittelhandwerk verlor an Dynamik. Gleichwohl wiesen Bäcker, Fleischer und Konditoren im Vergleich zu den anderen Handwerksbranchen eine überdurchschnittliche Entwicklung auf. Für das kommende Quartal rechnen die Betriebe mit einer stabilen Entwicklung. Sie erwarten leichte Umsatzzuwächse und leichte Preisnachlässe.
In den Gesundheitshandwerken war im 1. Quartal eine unterkühlte Stimmung festzustellen. Wirtschaftliche Dynamik führte nur noch zögerlich zu einer verbesserten Geschäftslage. Dies deutet auf einen andauernden Strukturwandel in dieser Branche hin. Die Erwartungen belegen dies: Trotz steigender Umsätze wird sich die Geschäftslage nach der Ansicht der Betriebe verschlechtern.

Der regionale Blick auf den Kammerbezirk zeigte weiterhin in den Landkreisen Hildesheim und Northeim eine überdurchschnittliche Entwicklung. Aktuell gab es jedoch einen merklichen Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität im Landkreis Northeim, während die Göttinger Betriebe eine überdurchschnittliche Entwicklung aufwiesen.

Größe der Betriebe hat Bedeutung
Die Analyse der Handwerkskammer zeigt auch, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung abhängig von der Größe der Betriebe unterschiedlich auswirkt. Im Jahresdurchschnitt wiesen die Handwerksbetriebe mit 5 bis 19 Beschäftigten über fast alle relevanten Indikatoren (u. a. Umsatz, Beschäftigung, Auslastung) eine bessere Entwicklung auf als die anderen Größenklassen. Besonders deutlich fiel der Abschwung in den Betrieben mit 20 und mehr Beschäftigten aus.




Ansprechpartnerin für die Medien:
Birgit Sudhoff
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