Handwerkskonjunktur zeigt sich im 4. Quartal robust
Hildesheim, 18. Februar 2010 - Im Handwerk wirkte sich das für die Volkswirtschaft schwierige Jahr 2009 nur vereinzelt negativ aus. Zu diesem Ergebnis kommt die Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen in ihrer Konjunkturanalyse für das 4. Quartal 2009. „Das stark Binnenmarkt orientierte Handwerk profitierte von den Konjunktur stützenden Maßnahmen aus den Konjunkturpaketen I und II, der verbesserten Kurzarbeiterregelung und der Umweltprämie für Altautos“, zog Handwerkskammerpräsident Jürgen Herbst eine erste Bilanz. Im 4. Quartal blieb das Geschäftsklima auf günstigem Niveau, die Konjunktur hat sich stabilisiert.
Die private Nachfrage habe für die Beschäftigung im Handwerk eine stabilisierende Funktion gehabt, sagte Herbst. „Im 4. Quartal gab es saisonbedingt einen leichten Beschäftigungsrückgang, allerdings lag der Anteil der Betriebe mit einer stabilen Beschäftigung mit 71 Prozent weiter auf einem guten Niveau.“ Umsatz- bzw. Produktionszuwächse konnten nur noch wenige Betriebe realisieren, per Saldo überwogen Betriebe mit Rückgängen. Immerhin 30 Prozent (Vorjahr: 26 Prozent) der befragten Betriebe meldeten eine volle Auslastung. Dies heißt aber auch, dass 70 Prozent der Betriebe nicht voll ausgelastet sind. Die Auftragsreichweite sank im 4. Quartal auf 4,4 Wochen. Sorge bereitet dem Handwerk die zunehmende Preiskonkurrenz. Der Preisdruck muss in den Betrieben durch Rationalisierung und Kosten senkende Maßnahmen kompensiert werden.
Das Ausbaugewerbe, das von Aufträgen im Bereich der energetischen Sanierung profitiert, übernahm die Funktion der konjunkturellen Lokomotive. Die Branche kompensierte den starken Einbruch im Investitionsgüterhandwerk. Auch die Konsum nahen Handwerke verbesserten bzw. behaupteten sich gegenüber dem Vorjahresquartal. Wichtige Indikatoren zeigen in Richtung moderater Aufschwung. Davon sind auch die Erwartungen geprägt. Herbst: „Im Vergleich zum Vorjahresquartal rechnen die Betriebe gerade bei den zentralen Indikatoren Geschäftslage und Auftragsentwicklung mit einer besseren Entwicklung.“
Die Entwicklung verlief im 4. Quartal 2009 je nach Branche unterschiedlich:
Das Bauhauptgewerbe entwickelte sich günstig in den Sparten öffentlicher Hochbau und Tiefbau. Der Grund hierfür waren die Konjunktur stützenden Maßnahmen. Der private Wohnungsbau und der gewerbliche Bau zeigten sich nach wie vor schwach. Im Schnitt waren die Bauunternehmer mit der Geschäftslage zufrieden. Die auslaufenden Konjunkturprogramme und der strenge Winter prägten die Erwartungen: Die Betriebe rechnen mit einer deutlichen Abkühlung der Baukonjunktur.
Weiter auf der Sonnenseite der Konjunktur stand das Ausbaugewerbe. Die Bautätigkeit dieser Branche nahm weiter zu, die Auslastung blieb auf hohem Niveau. Die Konjunkturprogramme und Unterstützungsmaßnahmen der öffentlichen Hand für energetische Sanierung trugen wesentlich zu der guten Konjunktur bei. Die Beschäftigung stieg im Jahresdurchschnitt an. Die Betriebe erwarten, dass sich die Konjunktur in ihrer Branche abkühlt.
Überraschend gut erholte sich das Investitionsgüterhandwerk. Die Konjunktur ist jedoch gespalten. Während die Auftragseingänge im 4. Quartal 2009 stiegen, ist noch keine nachhaltige Erholung des Produktionsniveaus auszumachen. Noch meldeten mehr Betriebe Produktionsrückgänge. Die Auslastung verbesserte sich jedoch spürbar von 79 auf 83 Prozent. Die Erwartungen der Betriebe sind verhalten optimistisch.
Die Umweltprämie hat deutlich weniger Impulse für das Kfz-Handwerk gebracht als erwartet. Nach wie vor ist die konjunkturelle Situation unterdurchschnittlich. Positive und negative Wirkungen der Umweltprämie machen sich je nach Schwerpunkt (Neuwagenhandel, Reparatur/Wartung, Gebrauchtwagen) der Betriebe bemerkbar. Der für 2010 zu erwartende Rückgang der Neuzulassungen lässt die Betriebe skeptisch in die Zukunft schauen: Sie rechnen mit einer Verschlechterung ihrer Situation.
Die in 2009 weitgehend stabile Binnenkonjunktur wirkte sich im Konsumgüter- und Dienstleistungshandwerk günstig aus. Erstmals seit 16 Jahren verzeichneten mehr Betriebe Umsatzzuwächse als Umsatzrückgänge. Die Beschäftigung blieb stabil. Dennoch erlebte die Branche keinen homogenen Konjunkturverlauf: 24 Prozent der Betriebe meldeten eine gute Geschäftslage, 34% ein schlechte. Das sich verschlechternde Konsumklima trübt die Erwartungen: Die günstige Entwicklung des Jahres 2009 wird sich 2010 nicht fortsetzen.
Saisonbedingt wies das Nahrungsmittelhandwerk eine gute Konjunktur zum Jahresende auf. Allerdings zeigt der Trend in Richtung Abkühlung bzw. bei den Bäckern in Richtung Stabilisierung. Die Beschäftigungsentwicklung dieser Branche ist durch ein hohes Maß an Stabilität gekennzeichnet. Das üblicherweise schwache 1. Quartal trübt die Erwartungen gleichermaßen wie das nicht mehr so gute Konsumklima.
Die Gesundheitshandwerke sind geprägt von gesundheitspolitischen Vorgaben und Diskussionen. Trotz guter Umsatzentwicklung blieb das Geschäftsklima weit unterdurchschnittlich. Die Unsicherheit über die Richtung der Gesundheitspolitik wirkt sich hier aus. Die Erwartungen sind neutral: Die Betriebe rechnen nicht damit, dass sich ihre Situation ändert.
Regional gab es im 4. Quartal große Unterschiede: Die wirtschaftliche Entwicklung in der Region Northeim verlief deutlich unterdurchschnittlich, Göttingen befand sich im konjunkturellen Hoch. Hildesheim bewegte sich im Durchschnitt. Während die Handwerkswirtschaft in Osterode wieder den Anschluss an den Durchschnitt fand, bereitete den Betrieben in Holzminden insbesondere der starke Preisdruck Sorgen. Tendenziell weisen die Landkreise Hildesheim und Göttingen die besten Werte auf.
Ansprechpartnerin für die Medien:
Birgit Sudhoff