Konjunktur im Handwerk legt Atempause ein
Hildesheim, 3. August 2007 - Die Frühjahrsbelebung im Handwerk fiel gering aus. Das ist das Fazit der Konjunkturanalyse der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen für das 2. Quartal 2007. „Von den befragten Betrieben verzeichneten 29 Prozent eine gute und 23 Prozent eine ungünstige Geschäftslage", sagte die Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer, Jutta Schwarzer. Erstmalig nach sieben Quartalen in Folge stieg der jahresdurchschnittliche Geschäftsklimaindex nicht weiter an. Er lag bei 56 Punkten (Vorjahr 44). 50 Punkte zeigen eine im Schnitt zufrieden stellende Geschäftslage an. „Damit bewegt sich die Handwerkskonjunktur auf einem günstigen Niveau", so Schwarzer. 2007 habe es keine nachhaltige Frühjahrsbelebung gegeben. Das sei auf die sehr milde Witterung und die damit ausgebliebene Winterpause im 1. Quartal 2007 zurückzuführen sowie auf die Umsatzsteuererhöhung zu Jahresbeginn. Letztere habe zu Vorzieheffekten in 2006 und einer Nachfragedelle in 2007 geführt.
Auf Halbjahresbasis (1. Halbjahr 2007 mit dem 1. Halbjahr 2006) konnten bis auf das Kfz-Handwerk alle Branchen ihre Geschäftslage verbessern. Die Produktions- beziehungsweise Umsatztätigkeit verbesserte sich nur im saisonüblichen Rahmen und konnte somit nicht an das sehr gute Ergebnis des Vorjahres anknüpfen. Die Beschäftigung blieb stabil, die Auslastung kletterte auf 84 (80) Prozent und lag auch jahresdurchschnittlich bei 84 Prozent und damit an der Beschäftigungsschwelle des Handwerks. Die Investitionen zogen weiter an. „Erfreulich ist insbesondere, dass der Anteil der Erweiterungsinvestitionen kontinuierlich steigt", bilanzierte Schwarzer. 18 Prozent aller Investitionen entfielen auf den Kapazitätsaufbau. Mit 86 Prozent erreichte der Anteil investierender Betriebe einen neuen Höchstwert. Die weiteren Erwartungen bleiben günstig. Ein nachhaltiges Abflachen der Konjunktur wird nicht erwartet.
Die Entwicklung in den einzelnen Branchen:
Das Bauhauptgewerbe konnte das Produktionsniveau im Vergleich zum Vorjahr nicht halten. Dadurch verlangsamte sich das Wachstum im Jahresdurchschnitt. Die Erwartungen sind leicht optimistischer als im Handwerksdurchschnitt.
Deutlich zulegen konnte das Ausbaugewerbe. Die Branche bleibt expansiv. Das Geschäftsklima verbessert sich weiter und die Bautätigkeit nimmt weiter zu. Die Betriebe sind optimistisch und erwarten eine bessere Entwicklung als andere Branchen.
Auf der Sonnenseite der Konjunktur bewegt sich weiterhin das Investitionsgüterhandwerk. Diese Branche weist die mit Abstand beste Lagebeurteilung auf. Die Produktion zeigt weiter nach oben. Im neunten Quartal in Folge wird Personal aufgebaut und der Anteil der Erweiterungsinvestitionen ist mit 42 Prozent sehr hoch. Die Betriebe rechnen mit einer weiteren Verbesserung der wirtschaftlichen Situation.
Anders sieht die Lage im Kfz-Handwerk aus. Der Markt ist derzeit von einer stabilen Entwicklung entfernt. Betriebs- und Markenkonjunkturen prägen das Bild. Im Berichtsquartal gab es gegenüber dem Vorquartal einen Umsatzzuwachs. Dies wird jedoch verzerrt durch die sehr starke Nachfragedelle auf Grund der Umsatzsteuererhöhung zum 1. Januar 2007. Die Betriebe rechnen nicht mit einer Verbesserung. Insbesondere bei den Umsätzen wird ein starker Rückgang erwartet.
Die Konsumgüter- und Dienstleistungshandwerke mussten eine erhebliche Eintrübung ihrer wirtschaftlichen Situation hinnehmen. Mit einem Geschäftsklimaindex von 42 Punkten wurde das ungünstigste Ergebnis innerhalb der Handwerksbranchen erzielt. Die Umsätze nahmen sehr stark ab, die Erwartungen sind pessimistisch.
Die Konjunktur im Nahrungsmittelhandwerk bleibt auf gutem Niveau, wobei es zwischen Bäckern (positive Lage) und Fleischern (negative Lage) erhebliche Unterschiede gibt. Auch die Erwartungen in den Gewerken fallen erheblich auseinander. Tendenziell bewegt sich das Nahrungsmittelhandwerk auf einem günstigen Kurs.
Für die Gesundheitshandwerke bleiben die Marktbedingungen instabil. Es ist für die Betriebe sehr schwer vorhersagbar, wie die weitere Entwicklung verlaufen wird. Mehr Betriebe rechnen mit einer ungünstigen Entwicklung. Die Auslastung ist nach wie vor zu niedrig.
Die wirtschaftliche Entwicklung in den Landkreisen zeigte im 2. Quartal große Unterschiede. Positiv war die Entwicklung im Landkreis Holzminden, ungünstig verlief die Entwicklung im Landkreis Göttingen. In der tendenziellen Entwicklung sind nach wie vor die Hildesheimer und Northeimer Handwerkswirtschaft führend, mit Abstand folgen die Regionen Holzminden, Osterode und Göttingen.