Volkswirtschaftliches Wachstum erreicht Handwerk
Hildesheim, 22. Februar 2007 - Das Handwerk im Bezirk der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen gewinnt zunehmend Anschluss an die Wachstumsdynamik der deutschen Volkswirtschaft. Das zeigen die Ergebnisse der Konjunkturbefragung für das 4. Quartal 2006. Alle Branchen verbesserten sich im direkten Quartalsvergleich mit dem Vorjahr. Gegenüber dem 3. Quartal gab es in wichtigen Branchen ebenfalls Verbesserungen. „Das ist ein nachhaltiger Aufschwung“, fasste der Präsident der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen, Jürgen Herbst, die Analyse zusammen. „Die Entwicklung zeigt, dass der trendmäßige Schrumpfprozess des deutschen Handwerks zum Stillstand kommt und das Wachstum wieder auf einen längerfristigen Wachstumstrend einschwenken kann.“ Die Umsatz- und Produktionsentwicklung zeigten nach oben, wenn auch in erheblichem Umfang Vorzieheffekte auf Grund der Umsatzsteuererhöhung zum 1. Januar 2007 aufgetreten sind. Wichtige Indikatoren wie Beschäftigung und Investitionen zögen jetzt nach. Instabilitäten sind weitgehend verschwunden. Die Brancheneinschätzungen sind, bezogen auf den Jahresdurchschnitt, gleichgerichtet.
Der Geschäftsklimaindex für das Gesamthandwerk erreichte im 4. Quartal 60 Punkte und übertraf damit das Vorjahresergebnis um 15 Punkte. Ein Index von 50 Punkten signalisiert eine im Durchschnitt befriedigende Geschäftslage. Langfristig wirkende Maßnahmen wie Investitionen nehmen zu beziehungsweise haben sich auf hohem Niveau stabilisiert, die Auftragseingänge wachsen. Die Auslastung erreichte für die Betriebe mit rund 84 Prozent wieder ein akzeptables Niveau. Mit dieser Auslastung nähert sich das Handwerk allmählich wieder der Beschäftigungsschwelle. Der große Unsicherheitsfaktor für die weitere Entwicklung wird die Reaktion des Marktes auf die Umsatzsteuererhöhung sein. Insoweit gehen die befragten Betriebe eher mit gedämpften Erwartungen in 2007, lautet die Prognose der Handwerkskammer.
In den einzelnen Branchen zeigten sich folgende Entwicklungen:
Nach einer verhaltenen Entwicklung in 2005 beschleunigte sich die wirtschaftliche Aktivität im Bauhandwerk deutlich. Der jahresdurchschnittliche Geschäftsklimaindex stieg auf 53 (Vorjahr 34) Punkte und lag im 4. Quartal bei 61 Punkten. Auf Grund des großen Investitionsstaus in der Vergangenheit blicken viele Unternehmen optimistisch in die Zukunft.
Ähnlich verlief die Entwicklung im Ausbaugewerbe. Der Geschäftsklimaindex kletterte auf 66 (Vorquartal 64) Punkte und erreichte damit einen seiner besten Werte. Bis auf die Installateure und Heizungsbauer verzeichneten alle relevanten Ausbauberufe im Jahresdurchschnitt 2006 eine überdurchschnittliche Geschäftslage.
Im Investitionsgüterhandwerk kühlte sich die sehr gute Konjunktur ab. Der Geschäftsklimaindex erreichte aber immer noch 74 (Vorquartal 83) Punkte und damit den besten Branchenwert. Im Jahresvergleich war wiederum eine Verbesserung festzustellen. In dieser Branche wird seit sieben Quartalen Beschäftigung aufgebaut.
Das Kfz-Handwerk ist besonders betroffen von der Umsatzsteuererhöhung zum 1. Januar 2007. Vorzieheffekte beim Neuwagenkauf werden im laufenden Jahr zu einer Nachfragedelle führen. Die guten Ergebnisse der Vorquartale konnten nicht wiederholt werden, wenngleich sich die Umsätze stabilisierten.
Im Windschatten der Konjunktur befinden sich weiterhin die Konsumgüter- und Dienstleistungshandwerke. Wachstumsimpulse verspürten nur einzelne Unternehmen. Entgegen saisonüblicher Schwankungen verschlechterte sich die Geschäftslage im 4. Quartal. Dies kann als vorweggenommener Abschlag für die erwarteten Umsatzrückgänge ab 1. Januar 2007 gewertet werden.
Am besten von allen konsumnahen Handwerken schnitt das Nahrungsmittelhandwerk ab. Seit rund drei Jahren verbessert sich die Lage für die Betriebe kontinuierlich. Der Geschäftsklimaindex erreichte 66 (Vorquartal 61) Punkte. Im Jahresverlauf konnten die Betriebe ihren Umsatz deutlich steigern.
Die Gesundheitshandwerke erholen sich langsam von gesundheitspolitischen Eingriffen, weisen aber im Jahresdurchschnitt mit Abstand das ungünstigste Geschäftsklima auf.
Nach regionaler Gliederung profitieren insbesondere die Northeimer und Hildesheimer Handwerksbetriebe von der guten Konjunktur. Die Betriebe in den anderen Landkreisen wiesen gegenüber dem Handwerksdurchschnitt Abstände auf. Die Konjunkturanalyse zeigt außerdem, dass die größeren Handwerksbetriebe (größer als 20 Beschäftigte) die aktuelle wirtschaftliche Situation deutlich besser beurteilen als die kleinen. Das Schlusslicht bildeten die 1-Personen-Unternehmen. Ähnliches gilt für die Produktions- und Umsatzentwicklung. Die Auslastung ist in nahezu allen Betriebsgrößenklassen gestiegen beziehungsweise gleich geblieben.
Ansprechpartnerin für die Medien:
Birgit Sudhoff